Wissenswert: Vier von zehn Arbeitnehmern über 35 Jahre haben einen jüngeren Vorgesetzten
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Einer careerbuilder-Befragung zufolge arbeiten 43 Prozent aller Arbeitnehmer, die 35 Jahre und älter sind, für jemanden, der deutlich jünger ist als sie selber. Aufgesplittet in Altersgruppen bedeutet dies, dass mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Beschäftigten im Alter bis 45 Jahre einen Chef haben der jünger ist als sie, gefolgt von 69 Prozent der Arbeitnehmer im Alter von 55 Jahren und darüber. Im Rahmen dieser Umfrage wurden 5.200 Angestellte im Zeitraum vom 5. bis zum 23. November 2009 befragt.
Mehr Informationen unter: careerbuilder.de
40 plus – ein künstlich erzeugtes Phänomen?
“Hat man es bis 40 nicht geschafft, ist der Zug abgefahren.”
Dieses Denken, dieser Spirit scheint in zahlreichen Unternehmen und bei vielen Führungskräften tief verankert zu sein. Führungskräfte und Career Changer erzählen immer wieder, wie tief ihre Angst sitzt, dass sie am Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt sein könnten. Aber wann setzt das Alter eigentlich an? Heute spricht man schon über “40 plus”, bald sind es vielleicht die “35 plus”. Eine stetige Abwärtsschleife?
Wenn die gängigen Statements und Thematisierungen in der Fachliteratur stimmen, Mitarbeiter jenseits der 40 seien weniger produktiv, leistungsorientiert und motiviert, dann stellt sich die Frage, ob dies dem Alter der Mitarbeiter geschuldet ist, oder eher dem wenig wertschätzenden und fördernden Umgang mit “älteren” Mitarbeitern in Unternehmen. Jüngst zeigten internationale Studien zu diesem Thema, dass Mitarbeiter jenseits eines “gewissen” Alters in vielerlei Hinsicht desincentiviert werden, sei es in ihren täglichen Aufgaben, in Innovationsbemühungen oder in Trainings und Fortbildungen.
Eine Spirale von self-fulfilling Prophecy, die zu geringerem Engagement führt und einen negativen Kreislauf in Gang setzt? Tatsache ist, dass ein Großteil unserer arbeitenden Bevölkerung über 40 Jahre alt ist. Eine geringe Produktivität infolge von mangelnder Incentivierung durch das Unternehmen wird daher auch spürbare volkswirtschaftliche Probleme zur Folge haben. Da immer noch ein Großteil der Unternehmen die Effekte der demografischen Entwicklung kaum in seine Personalarbeit aufnimmt, ist jedes Ausbrechen aus dieser Spirale ein potentieller Wettbewerbsvorteil.
Es gibt andere, viel wichtigere Kriterien für die Mitarbeiterbewertung als das Alter, zum Beispiel
- Talent
- Erfahrung
- Leistungs- und
- Führungskraft.
Darüber hinaus ist es ein bekanntes Faktum, dass (alters-) gemischte Teams und Kompetenzportfolios in Unternehmen die erfolgreicheren sind. Vorausgesetzt natürlich, die Mitarbeiter werden nach ihren Talenten eingesetzt, gefördert, gefordert und wertgeschätzt. Denn der Fokus sollte auf der Wertschöpfung liegen, die ein Mitarbeiter erbringt und nicht auf seinem Alter.
Zudem sprechen auch ganz allgemeine Trends in der Arbeitswelt dafür, dass “40 plus”, soweit es dieses Phänomen überhaupt gibt, als echte Chance betrachtet werden kann.
Die Arbeitswelt hat sich geändert. Früher hatte eine Führungskraft, wie auch ein Mitarbeiter, die eine Lebenskarriere. Heute durchläuft eine Führungskraft viele und häufig ganz verschiedene Berufswege. Es ist inzwischen Normalität, dass das Unternehmen, der Job gewechselt wird und auch über den eigenen Tellerrand hinaus geschaut werden darf.
Und um auf diese wechselnden Anforderungen flexibel reagieren zu können, ist es entscheidender, dass jemand seine Talente, Ziele und Werte kennt und nicht, ob er 40, 50 – oder 35 Jahre alt ist.
“40 plus” – künstlich erzeugtes Phänomen oder Wirklichkeit, das entscheiden und leben wir in unseren Köpfen.
Silke-Catherina Cramer 27.10.2009
Alt gegen Jung – Erfahrung gegen Dynamik

© Yuri Arcurs/Fotolia.com
Würden sich Angela Merkel und Guido Westerwelle heute um eine Stelle bewerben, hätten sie vermutlich nur schlechte Chancen. Beide haben die magische Altersgrenze von 45 überschritten – und fallen damit unter die Kategorie “ältere Arbeitnehmer”.
- ‘Ältere sind weniger flexibel und lernfähig’
- ‘Ältere sind häufig krank und verursachen mehr Personalkosten’
Jüngere Beschäftigte gelten dagegen als leistungsstark, dynamisch und innovativ. Und so verwundert es nicht, dass Ältere nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit länger arbeitslos sind und schwerer wieder einen Arbeitsplatz finden.
Doch die Jugendorientierung vieler Personalabteilungen ist angesichts des demografischen Wandels mehr als kurzsichtig. Denn schon jetzt beträgt das Durchschnittsalter aller Beschäftigten in Deutschland 40,5 Jahre – Tendenz steigend. Dabei wird ein großer Pluspunkt von “älteren Mitarbeitern” übersehen: Erfahrung.
Menschen ab 45 haben schon so manche Krise mitgemacht und bewältigt. Sie bleiben daher in solchen Situationen ruhiger und umsichtiger. Das zeigt auch eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Demnach werden ältere Ingenieure von den Unternehmen vor allem wegen ihrer Projekterfahrung und ihres umfassenden technischen Wissens geschätzt. Dazu kommt, dass für Ältere in der Regel nicht mehr die Karriere und ihre Profilierung im Vordergrund stehen, sondern das Lösen von Problemen.
Außerdem sind ältere Führungskräfte und Mitarbeiter oft flexibler als jüngere, denn sie müssen nicht mehr auf schulpflichtige Kinder Rücksicht nehmen. Inwieweit jemand lernfähig und -willig ist, hängt nach Analysen der Gerontologie und der Pädagogik zudem nicht vom biologischen Alter ab, sondern von Faktoren wie Berufsbiografie und Motivationslage. Jemand, der sich sein Leben lang neues Wissen aneignete, wird das auch mit fortschreitendem Alter tun.
Der Unterschied zwischen Alt und Jung besteht darin, dass sich die Art des Lernens ändert. Der Praxisbezug wird bei Älteren immer wichtiger.
Innovativ ist doch derjenige, der aktuelles Wissen mit langjähriger Berufserfahrung kombinieren kann.
Nur wer beides hat, kann einschätzen, was sich wirklich sinnvoll umsetzen lässt. Gerade das macht auch Politiker vertrauenswürdig. Ein Mitzwanziger hätte wohl kaum Chancen auf das Amt als Bundeskanzler, weil er eben zu wenig Erfahrung hat. Wenn es in der Politik um richtungsweisende Entscheidungen für das Land geht, zählt Erfahrung also sehr viel.
Warum nicht auch im Berufsleben?
Detlev Weise 12.10.2009







